02 Mrz
von Oliver Flimm - Kategorie: Allgemein, Ankündigungen
Bevor die neue Version 2.3 von OpenBib im Kölner UniversitätsGesamtkatalg (KUG) produktiv eingesetzt wird, bieten wir sie unseren Nutzern ab heute einige Wochen alternativ zum normalen KUG erstmals als öffentlichen Beta-Test an, um Feedback für die generelle Weiterentwicklung zu sammeln. Diese Version ist für jedermann erreichbar unter http://kug.ub.uni-koeln.de/portal/lastverteilung?view=kugng.
Nach der letzten KUG-Version Mitte 2008 sahen wir einen guten Zeitpunkt, bewusst einen Schritt zurück zu treten, um uns den KUG in seiner Gesamtstruktur – jenseits einzelner Features – mit kritischem Abstand zu betrachten. So besitzt das KUG-Design beispielsweise immer noch den spröden Charme der 90er Jahre, die logische Gruppierung verschiedener Funktionen sollte verbessert oder Funktionselemente sprechender werden. Auch externes Feedback, wie z.B. von den Arbeitsgruppen zu Wissensorganisation 2.0 oder dem Wiki der AG Web 2.0, war uns dabei sehr willkommen.
Im Rahmen einer Umstellung weiter Teile auf ein zeitgemäßes Layout mit Cascading Stylesheets (CSS) wurden diese Ziele angegangen. Vorteilhaft für diese Arbeiten zu unserem KUG der nächsten Generation (Arbeitstitel) hat sich dabei die Technik systemweiter Katalogprofile erwiesen, mit der wir bereits den KUG light realisieren konnten. Damit konnten wir auf unserem Produktionssystem gefahrlos mit der Überarbeitung der jeweiligen Templates beginnen und diese agierten immer auch auf den aktuellen Katalogdaten.
Verknüpft mit der strukturellen Überarbeitung war darüber hinaus die inhaltliche Integration der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek EZB und des Datenbank-Infosystems DBIS.
Bewusst haben wir auf unsere schlanke Einstiegsseite mit Suchschlitz verzichtet, um unsere Nutzer unmittelbar auf viele der vom KUG bereitgestellten Funktionen und Recherchemöglichkeiten aufmerksam zu machen. Diese wurden nach dem Motto „Ach, das kann der KUG auch“ oft als zu versteckt angesehen. Dazugekommen ist eine Beschränkung der Recherche auf die Medientypen Zeitschrift/Serie und Aufsatz sowie ein direkter thematischer Zugang in den KUG (und darüber hinaus).
Ebenso kann sich der Nutzer sofort einloggen, um Zugriff auf personalisierte Funktionen wie Tagging, Literaturlisten, eigene Suchprofile usw. zu bekommen. EZB und DBIS sind ebenso direkt – nach Fachgebieten geordnet – erreichbar, wie viele der weitergehenden Funktionen des KUG, um in den Gesamtbestand abzutauchen. Als Teaser werden schließlich die zuletzt angelegten Literaturlisten sowie die neu vergebenen Tags angezeigt.
Nachdem wir bereits in die aktuelle Version die Möglichkeit eingebracht haben, die Katalogtitel thematisch nach der Basisklassifikation BK über zentrale Kataloganreicherung zu erschliessen (Systematisches Blättern), wollten wir diesen Weg konsequent weiter verfolgen. Das erhaltene Feedback – der generelle Wunsch nach einem thematischen Zugang – entspricht den Ergebnissen der Fokusgruppe aus Studierenden des beluga-Projektes.
Die inhaltliche Erschließung in Themengebieten wollten wir dabei auf eine möglichst breite Basis stellen (s.u.). Es war von vornherein klar, dass die Anzahl von Top-Level Themengebieten überschaubar sein musste – kein Anwender würde seine Literaturlisten schliesslich mit den mehr als 2000 Fachgruppen der BK klassifizieren…
Daher wurden von uns in der Web-Administration des KUG insgesamt 20 Themengebiete festgelegt und diese dann ebenfalls dort mit BK sowie EZB- und DBIS-Fachgruppen verknüpft – die Verwaltung von beliebigen Themengebieten hielt also ebenfalls Einzug in den KUG.
Aus dieser sehr übersichtlichen Anzahl an Gebieten kann ein Nutzer nun eines oder mehrere für die thematische Einordnung seiner Literaturlisten auswählen. Mit der Einordnung von
zu unseren festgelegten Themengebieten konnten wir dann den thematischen Zugriff auf eine vernünftige Basis für unsere Nutzer stellen. Zu jedem unserer Themengebiete bekommt der Nutzer immer eine Übersicht aller thematisch zugeordneten verfügbaren Medien – mit EZB und DBIS auch jenseits der KUG-Bestände, dank der Integration über das Regensburger XML-API, das wir in den KUG integriert haben.
Eine strukturelle Überarbeitung erforderte insbesondere die Einzeltrefferanzeige im KUG. Hier haben wir aufgeräumt und ähnliche Funktionen in visuell abgegrenzten Gruppen zusammengefasst.
Auf Basis des aktuellen Kataloges erhält der Nutzer bei diesen thematisch verwandten Personen und Schlagworten sehr schnell einen Überblick
Die einzelnen Personen und Schlagworte werden mit der Anzahl anderer Titel korreliert und in Form einer Wort-Wolke dargestellt.
Auch die Ausgabe von Titellisten wurde im KUG vereinheitlicht und diese erscheinen nun alle im gleichen Design. Hinzugekommen ist die Möglichkeit jeden Titel einer Liste direkt nach BibSonomy zu überführen. Bisher war das lediglich in der Einzeltrefferanzeige und der Merkliste der Fall.
Deutlich überarbeitet wurde die Konzeption der Merklisten, Literaturlisten und Listen von Titel zu einem Tag. Seit sehr langer Zeit verfügt der KUG über eine Merkliste. Sie ist das Mittel der Wahl für unsere Anwender wie mit einem großen Einkaufskorb durch den KUG zu wandern und alles Interessante erst einmal dort abzulegen. Sie wird nun zur zentralen Verteilungs-Instanz für die individuelle weitergehende Organisation der Titel ausgebaut. Während bisher bereits ausgehend von einer Merkliste einzelne Titel sofort in Literaturlisten hinzugefügt werden konnten, besteht nun auch die Möglichkeit dort selektierte Titel auf einen Rutsch mit gemeinsamen Tags zu versehen.
Damit wachsen Merklisten, Tags und Literaturlisten weiter zusammen. Überarbeitet und der Einzeltrefferanzeige angepasst wurden auch die einzelnen Funktionselemente im Bereich Behalten Sie diese Liste.
Auf der Basis von Aspell haben wir bei der Version 2.2 in der einfachen Recherche und der Trefferliste Rechtschreibvorschläge für die Nutzer eingebaut. Wie sich jedoch schnell zeigte, fühlten sich einige dadurch massiv gestört und wünschten eine Möglichkeit selbst über die Aktivierung dieser Funktion zu entscheiden. Sie brachten es – wie jüngst Herr Eversberg in NGC4LIB – auf den Punkt
What I mean is my business and mine alone. When I make mistakes entering search terms, that’s my problem and mine to solve, using my own intelligence and judgement when looking at inadequate results or “zero hits”. This kind of features only raises unrealistic expectations and creates a trust where mistrust in technology is vital and trust in one’s own capacities must not be eroded but supported.
Andere sehen Rechtschreibvorschläge als essentielle Funktion eines OPAC 2.0 an.
Sinnvoller und mit mehr praktischem Nutzwert wird hingegen eine LiveSearch-Funktion angesehen, in der konkrete Personen oder Schlagworte aus dem tatsächlichen Katalogbestand on-the-fly angezeigt und ausgewählt werden können. Wir haben beides berücksichtigt und sowohl den KUG um eine LiveSearch-Funktion erweitert wie auch die vollständige Kontrolle über eine Aktivierung jedweder dieser Funktionen unseren Nutzern in ihren persönlichen Einstellungen überlassen. Standardmässig sind sowohl Rechtschreibvorschläge wie auch LiveSearch bei den Nutzern deaktiviert – nicht angemeldete Nutzer bekommen beides gar nicht mehr angeboten. Gezeigt hat uns dieses Beispiel:
Bei der Beschränkung der Recherche auf Zeitschriften/Serien oder Artikel hatten wir das grundlegende Problem, das in einer Vielzahl unserer Kataloge der Medientyp der Titel gar nicht besetzt wird – unsere Titelbasis gab eine solche Einschränkung der Suche also gar nicht her. Aus diesem Grund haben wir die schon lange verwendete Kataloganreicherung auf diesen Aspekt ausgedehnt. Jeder Titel wird daher nun von uns analysiert und entsprechend seiner verwendeten Kategorien und deren Inhalten automatisch mit einem Medientyp versehen – sofern dieser nicht bereits existiert. Dieser Medientyp wird auch für die Rechercheverfeinerung in der Treffermenge genutzt, so ist auch nachträglich eine Eingrenzung auf Zeitschriften/Serien und Artikel möglich.
Um unseren Nutzern einen quantitativen Überblick geschlüsselt nach Medienart anbieten zu können, geben wir die Anzahl der im KUG verfügbaren Zeitschriften/Serien sowie Artikel direkt auf der einfachen Rechercheseite in den jeweiligen Reitern mit aus. Nach Sichtung der Zahlen waren auch wir überrascht, speziell wieviele Artikel wir im KUG haben – instinktiv hatten wir nur mit knapp einem Drittel der tatsächlich mehr als 300.000 verfügbaren Artikel gerechnet.
Bisher musste für Informationen des Bibliotheksführers zu den einzelnen Instituts- und Seminarbibliotheken auf externe Seiten aus dem KUG herausgesprungen werden. Diese Informationen wurden nun vollständig in den KUG integriert. Hinzugefügt wurde eine englische Lokalisierung der Kategorie-Namen sowie ein Kartenausschnitt mit der Lage der Bibliothek, der über einen Mashup mit Google Maps geliefert wird. Als weiterer Mashup ist eine Integration der Informationen aus dem Interaktiven Lageplan der Universität zu Köln geplant – sobald dieser über eine entsprechende Zugriffsschnittstelle verfügt. Ein Nutzer kann sich dann diese Seite einfach ausdrucken und hat sofort alle wesentlichen Informationen zur jeweiligen Bibliothek an der Hand – samt Lageplan, um die Bibliothek auch zu finden.
Ähnliches – wie bei den Bibliotheksinformationen – gilt für die verschiedenen Online-Tutorien, die wir für den KUG anbieten. Auch diese waren bisher externe Webseiten und sind nun in den KUG integriert.
Nachdem wir nun den Weg eines offenen Beta-Tests „des nächsten KUG“ beschritten haben, sind wir sehr gespannt, ob und wieviel Feedback wir bekommen werden. Denn Feedback in Form von Kritik, Verbesserungsvorschlägen, neuen innovativen Ideen oder auch Lob unserer Nutzer ist schließlich die Grundlage für die Weiterentwicklung von OpenBib und damit des KUG.
2 Kommentare
Ursula Schulz
07|Mrz|2009 1Lieber Oliver Flimm, Ihr Blogeintrag ermutigt mich zu einem Kommentar, weil mir Offenheit für Feedback wichtig ist. KUG zeigt mir, wie kreativ man mit den Möglichkeiten des Web 2.0 umgehen kann und welche Vielfalt an Funktionen in einen Katalog 2.0 integrierbar ist.
Gleichzeitig:
Was sehe ich, wenn ich KUG aufrufe: Viele, viele graue Features. Auf den ersten Blick macht sich bei mir ein Gefühl von Widerwillen breit, nach dem Rumklicken durch ein paar Funktionen ein irgendwie breiiges Unbehagen. Sie formulieren es besser als ich: “der spröde Charme der 90er Jahre”. Ich möchte Sie dazu ermutigen, selbst für ein WB-Katalog etwas joy-of-use aufkommen zu lassen.
Ein paar Monate lang habe ich beluga begleitet. Es wurden ja einige Usability-Tests und Fokusgruppeninterviews durchgeführt. Dabei gab es einen Punkt, in dem sich unsere Kontaktpersonen – fast alle von ihnen Power-User – ausnahmslos einig waren: “Klarheit ist oberstes Gebot.” (O-Ton). Nach meiner Erfahrung reichen Kommentare von eingeweihten KollegInnen und gewogenen Katalogbenutzern nicht aus, um ein realistisches Feedback zu bekommen. Deshalb ist meine zweite Empfehlung: Lassen Sie auf echte Usability-Tests an KUG ein. Vielleicht bekommen Sie dadurch Informationen, die Sie für Ihre Version 2.3 – oder eine spätere – gut gebrauchen können.
Viel Erfolg wünscht Ihnen Ursula Schulz
Oliver Flimm
08|Mrz|2009 2Liebe Frau Prof. Schulz,
vielen Dank für die offenen Worte und die beiden Empfehlungen zu Joy-of-use und Usability-Tests. Anders als z.B. bei beluga standen dem KUG leider niemals ausgewiesene Web-Usability-Experten zur Begleitung des Projektes und Erarbeitung konkreter Vorschläge zur Verfügung.
Das mag sicherlich auch mit den Ursprüngen des Projekts als ehemals “kleinem” Institutskatalog zusammenhängen, dessen personelle Ausstattung seit jeher relativ überschaubar ist – mit mir als alleinigem technischen Umsetzer und vier Bibliothekarinnen der Abteilung UGK, die u.a. als bibliothekarische “Filter-Instanz” meine Ideen auf Realitätstauglichkeit prüfen
oder mit eigenen Vorschlägen zur KUG-Entwicklung beitragen.
Anders als andere – speziell auch DFG geförderte – Projekte, musste die Entwicklung des KUG Recherche-Portals immer irgendwie “nebenher” laufen, zusätzliche finanzielle Mittel oder externe Ressourcen standen nicht zur Verfügung. Um so mehr hatten uns dann auch die positiven Reaktionen und die öffentliche Aufmerksamkeit überrascht, mit der der KUG bedacht wurde.
Trotz Ihrer Kritik denke ich, dass wir mit der Beta-Version in einigen Bereichen sichtbare Fortschritte bei der Web-Usability machen konnten – obwohl sicherlich auch noch einiges an Weg vor uns liegt. Das ist uns bewusst. Problematisch ist dabei insbesondere der immerzu vorhandene Abwägungsprozess, der Web-Usability, Funktionalität, technische Realisierung(smöglichkeiten), usw. zu einem schlüssigen Ganzen vereinigen soll. Ich assoziiere das immer gerne mit der zu kleinen
Bettdecke, die alles abdecken soll – oder: there’s no such thing as a free lunch.
Vorteilhaft ist hier jegliches Feedback – daher haben wir schließlich den Weg des öffentlichen Beta-Tests gewählt. Denn das Feedback, das wir bisher von unseren Nutzern so bekommen ist äusserst übersichtlich, um nicht zu sagen homöopathisch – im Bereich Web-Usability haben wir bisher z.B. nicht eine Rückmeldung mit Lob/Kritik, oder gar konkreten Verbesserungsvorschlägen bekommen. Das macht die Sache nicht einfacher…
Erfreut bin ich auf Ihr Seminar Wissensorganisation 2.0 bei wissorg20.wikispaces.com gestoßen, das auch den KUG evaluiert hatte. Leider war die dort im Handout zu OPAC 2.0 geäusserte Kritik – einer der Auslöser dafür, den bereits existierenden Plan einer entsprechenden Überarbeitung jetzt auch anzugehen – für uns nur punktuell fruchtbar, konkrete Verbesserungsvorschläge für gefundene Kritikpunkte waren quasi nicht vorhanden.
Die dort gefundenen Punkte waren zwar alles in allem sehr plakativ, aber nach meiner Einschätzung auch äusserst schwammig und für uns leider ohne den erhofften konstruktiven Nährwert. Aufgreifbar und
umsetzbar – weil konkreter – war lediglich die Kritik “Überfüllt mit unklaren Icons”. Wobei alle Icons über Tooltip-Hilfe verfügten, in der Hilfe erklärt waren und ich selber platzsparende Icons für ihre Übersichtlichkeit schätze – weil ein zusätzlicher Text meines Erachtens eben gerade nicht die Übersichtlichkeit einer Seite fördert, wenn man oft mit einer Anwendung arbeitet. Dazu kommt die generelle Schwierigkeit, ein sprechendes Icon für eine Funktion zu finden – idealerweise mit Wiedererkennungswert in anderen Katalogen – wenn diese en gros über diese Funktion gar nicht verfügen oder keine Icons eingesetzt werden.
Insgeheim hoffe ich natürlich schon, dass wir irgendwann einmal auch auf externe und neutrale Web-Usability-Experten zurückgreifen und mit diesen vernünftige Usability-Tests in unserer Nutzerbasis durchführen können, so dass wir als Resultat zu einem konkreten Überarbeitsungskatalog kommen. Denn darin sehe ich auch eine Stärken des KUG mit OpenBib – dass wir sehr flexibel und zeitnah Verbesserungsvorschläge aufgreifen und auch umsetzen können.
In diesem Sinne wünscht sich noch mehr Kritik (oder auch Lob) und Verbesserungsvorschläge
Oliver Flimm
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