01 Jul
von Oliver Flimm - Kategorie: Allgemein, Einblicke und Konzepte
Bei der Entwicklung des KUG ist – analog zur Vernetzung gleichgesinnter Nutzer im Web 2.0 – die Vernetzung der Titel im Katalog eines unserer Hauptziele.
Nachdem ein Nutzer durch seine Suchanfrage bei einem passenden Titel gelandet ist, kann er sich von dort durch Empfehlungen, Literaturlisten, Tags, Personen, Schlagworte, Systematiken usw. thematisch treiben lassen und so auf andere interessante Titel stoßen – frei nach dem beluga-Zitat: Ich möchte auch finden, was ich gar nicht gesucht habe.
Eine zentrale Rolle nimmt hier die Systematisierung der Titel ein – sowohl um andere Titel eines Themengebiets zu finden, als auch zur Bereitstellung eines hierarchischen Browsings über Themengebiete.
Gerade im KUG mit seinen vielen teilnehmenden Instituten hat sich das jedoch als ein Problem herausgestellt, denn nur ein Bruchteil der Institute systematisiert überhaupt ihre Titel. Dazu kommt dann noch ein genereller Nachteil an Systematiken: Es gibt so viele davon – und diese finden tatsächlich bei den wenigen systematisierenden Katalogen im KUG auch Anwendung.
Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) verwendet z.B. die Basisklassifikation BK, das eine Institut die DDC, das andere die RVK, wieder eines eine fachspezifische Klassifikation aus Saarbrücken. Selbstverständlich wird dadurch eine katalogübergreifende Einheitlichkeit, vor allem auch im Interesse der Nutzer, nicht gerade gefördert. Aus meiner Sicht sollte das aber gerade ein zentrales Ziel für einen Katalog höherer Zählung sein.
Für die Vereinheitlichung haben wir uns für den KUG erst einmal auf die Basisklassifikation BK geeinigt – nicht zuletzt weil der große USB-Katalog sofort als Fremddatenquelle genutzt werden kann – und reichern über unsere zentrale Anreicherungsdatenbank alle Kataloge im KUG automatisch damit an. Das Schöne an der BK ist, dass
Als allgemeine Voraussetzungen für den Einsatz einer Systematik für einen Katalog 2.0 sehe ich nach den Erfahrungen im praktischen Einsatz mit der BK beim KUG:
Die aber wirklich zentrale Grundvoraussetzung für den Einsatz ist jedoch die vollkommen freie Nutzung der Systematik (genauer: free as in free speech and not free beer). Es macht z.B. keinen Sinn Open Access zu fordern und bei der Erfassung eines Open Access-Werkes dann aber eine proprietäre Systematik zu verwenden, bei der irgendwelche Nutzungsmöglichkeiten erst lizensiert (und bezahlt) werden müssen – wenn sie nicht sowiso grundsätzlich verboten sind.
Gerade hier hat sich im KUG dann auch ein großes praktisches Problem im Einsatz der DDC herausgestellt.
Zwei der Institute im KUG setzen die DDC lokal ein – nur sagen dem Nutzer die Nummern leider überhaupt nichts (s.o.). Was liegt also näher als bei den Katalogaufnahmen, Quantitäts-Aufschlüsselungen in Wortwolken usw. zusätzlich die textlichen Beschreibungen mit auszugeben – sie vielleicht sogar für die Recherche auch noch zu indexieren. Bei der BK machen wir das, technisch ist das also kein Problem.
Hier kommt nun aber leider der proprietäre Charakter der DDC zum Tragen, der eine vollständige Verwendung der Beschreibungen nicht erlaubt. Maximal die ersten drei Stellen sollen möglich sein. Vor dem Hintergrund, dass die DDC in ihren Toplevel-Kategorien jedoch nur den Wissensstand des 19. Jahrhunderts widerspiegelt – unsere beiden Institute aber im Bereich Informationstechnologie angesiedelt sind und die DDC-Kodierungen dieser Themengebiete dementsprechend lang sind – dürfen wir die Beschreibungen also erst gar nicht ausgeben. Viele sehen daher die DDC als “no go” an und suchen nach Alternativen.
Ein interessanter Vorstoß ist in diesem Zusammenhang die Open Shelves Classification (OSC), die auf einen Vorschlag von Tim Spalding zurück geht – auch wenn der Fokus hier mehr auf öffentlichen und nicht unbedingt wissenschaftlichen Bibliotheken liegt. Auch hier war die Lizenzproblematik der DDC ein wesentlicher Ausgangsgrund. Tim Spalding’s Anwort auf einen negativen Kommentar zum o.g. OSC-Blogeintrag sagt eigentlich alles:
Mr. Ronald, I note that you omitted all mention of “free.” This is at the core of the project’s goals. I—and many others—object to public libraries being constrained by a classification system that is (1) copyrighted, (2) trademarked, (3) licensed, (4) expensive. You cannot with safety make changes to DDC and circulate them around to other interested libraries—this would violate both copyright and trademark. (Some have done so, admittedly.) You cannot publish detailed schedules for your patrons to understand your system and how it maps to your books—again, copyright and trademark. You can’t get a full schedule in digital form, but have to subscribe to a “service” that gives it out in dribs and drabs, reinforcing your dependency. OCLC holds the reins so tightly that it famously sued a hotel that dared to number its rooms by DDC, filling them with appropriate books. They even hold trademark on Dewey’s first name.
Ebenso stellt sich natürlich auch immer die Frage, in wieweit sich lokale Themengebiete in anglo-amerikanischen Systematiken wiederfinden – ansonsten wird in wissenschaftlichen Bibliotheken dort vor dem Hintergrund der Aufstellung überwiegend die Library of Congress Classification (LCC) verwendet. Die LCC wiederum ist in ihrer Nutzung wirklich frei, also potentiell auch ein geeigneter Kandidat.
Aber warum unbedingt in die Ferne schweifen? Auch im deutschsprachigen Raum gibt es mit der Basisklassifikation BK (verwendet im GBV, ursprünglich aus den Niederlanden) und der Regensburger Verbundklassifikation RVK (verwendet im BVB) geeignete Systematiken. Bei der BK hat man zwei Hierarchieebenen, wobei in der ersten Ebene mehr Gebiete als in der RVK zu finden sind, sich diese auch nochmal in 5 Gruppen zusammenfassen lassen. Dafür hat die RVK mit ihren Haupt-, Unter- und Feingruppen gleich drei Hierarchieebenen, zu denen dann u.a. noch eine Verschlüsselung des Autorennamens kommt.
Weder die BK noch die RVK muss lizensiert werden, anders als die DDC, und beide erfüllen damit die von mir geforderte zentrale Grundvoraussetzung für einen Einsatz. Es wäre zu begrüßen, wenn beide Klassifikationen gerade im Bereich Katalog 2.0 vermehrt eingesetzt werden – und sich auch aktiv dafür positionieren. Bei einer internationalen Ausrichtung wäre die Auswahl an geeigneten Systematiken sicherlich eine andere und man würde sich u.a. LCC und OSC, wenn letztere denn mal fertig ist, genauer anschauen.
Die proprietäre DDC jedoch – auch wenn sie de facto die am meisten verbreitete Systemtik darstellt – ist aufgrund ihrer Lizenzproblematik nach meinem Dafürhalten nicht geeignet als thematischer Grundpfeiler für einen Katalog 2.0 – gerade weil es dort genau um eine verbesserte Usability des Katalogs geht und die Lizenzbedingungen (und etwaige Kosten) dieser massiv im Weg stehen.
Es wäre interessant zu hören, wie andere das sehen bzw. welche Schritte schon anderenorts in Richtung eines thematischen Zugangs gegangen wurden – und welche Systematiken dort Verwendung finden.
11 Kommentare
Horst Prillinger
02|Jul|2009 1Zum Thema “proprietärer Charakter der DDC”: Hier liegen einige Irrtümer vor.
Die vollständige Verwendung der Beschreibungen ist sehr wohl erlaubt; lediglich die gleichzeitige Darstellung von Nummer und Beschreibung ist nach den bisherigen Bedingungen nur für die ersten drei Stellen erlaubt. Es sollte also überhaupt kein Problem sein, DDC im Katalog so abzubilden, dass der Nutzer nicht mit unverständlichen Zahlen konfrontiert wird.
Das Problem stellt sich allerdings sowieso nicht mehr, denn in Kürze wird die deutsche Version der DDC über eine Creative Commons-Lizenz zur Verfügung stehen. Die Lizenzproblematik fällt damit weg, auch Kosten entstehen keine, und alle Nummern dürfen gleichzietig mit ihren Beschreibungen dargestellt werden. Wenn dies also wirklich das Hauptargument gegen die DDC sein sollte, so gibt es keinen Grund mehr, DDC nicht einzusetzen.
Die Erfahrungen mit der Basisklassifikation an unserer Bibliothek sind derart, dass sie von fast allen Bibliothekaren für ungeeignet betrachtet wird, da eine inhaltliche Differenzierung nur im allergröbsten Rahmen möglich ist. Im übrigen ist die BK nur in Ansätzen ein hierarchisches System; die Hierarchie geht genau eine Ebene tief und ist keinesfalls mit RVK (deren Hierarchien z.T. aber unlogisch sind) oder DDC vergleichbar.
Oliver Flimm
02|Jul|2009 2Derzeit sehe ich keine Irrtümer über den proprietären Charakter der DDC. Denn wie ich ausgeführt habe, reichen die ersten drei Stellen eben oft *nicht* aus.
Wenn in der Zukunft die deutsche Version der DDC in vollständiger Tiefe unter einer CC-Lizenz steht, wenn auch CC-BY-NC-ND, dann wäre dies sicher ein vernünftiger erster Schritt. Gewonnen hätten wir dann aber leider immer noch nicht, denn der KUG ist wie viele andere Kataloge auch mehrsprachig. Diese Mehrsprachigkeit ließe sich dann bei der DDC z.B. für die englische Fassung nicht mehr durchhalten und somit haben unsere ausländischen Studenten ein größeres Problem, denn egal von wo sie kommen – in der Regel verstehen sie mehr Englisch als Deutsch. Das ist auch noch ein Problem bei der Verwendung der BK beim KUG.
Falls jedoch die gesamte DDC in allen Sprachversionen unter CC gestellt wird, dann ziehe ich meine Einwände gerne zurück.
Über Twitter @librarymistress suggerieren Sie, ich will die DDC einfach nicht. Das stimme so nicht. Ich würde sie sehr gerne nutzen, denn z.B. für ein hierarchisches Browsing wäre sie gut geeignet. Nur unter den gegebenen lizenzrechtlichen Voraussetzungen weltweit habe ich damit ein Problem.
Michael Lackhoff
02|Jul|2009 3Ich finde das Kriterium “frei” zwar auch wichtig aber es käme erst an dritter Stelle, hinter 1) Verbreitung und 2) Qualität. Denn eine Klassifikation, die diese beiden Kriterien nicht erfüllt ist schlicht nutzlos oder sogar schädlich (da sie eine Erschließung vorgaukelt, die es so gar nicht gibt).
Eine Klassifikation hat für mich nur dann einen Sinn, wenn auch wesentlichen Teile des Bestandes damit klassifiziert sind oder (durch Fremddatenübernahme) werden können. Im Hinblick auf Web 2.0 würde ich dabei auch nicht nur auf die lokale Bibliothek schauen.
Zu 2) Wenn eine Klassifikation nichts taugt, kann sie noch so frei sein, dann helfe ich dem User nicht und dann kann ich es auch gleich lassen.
Für mich ergibt sich daraus: Entweder dafür sorgen, daß eine gute und freie Klassifikation weite Verbreitung findet (z.B. durch Absprache mit anderen großen Anbietern) oder in den sauren Apfel “unfrei” beissen (wobei diese Alternative ja nach dem Vor-Beitrag bald versüßt werden könnte) oder es einfach (vorerst) lassen.
Jakob
02|Jul|2009 4Ich habe mir mal die Basisklassifikation aus deiner YAML-Datei vorgenommen und nach SKOS umgewandelt. Die Basis URI ist http://purl.org/NET/BK/ (eben registriert) und die Veröffentlichung unter http://www.talis.com/platform/cc/ ist beantragt. Das Perl-Skript zur Umwandlung kann ich gerne per Mail schicken. Hier ein Ausschnitt (SKOS in Turtle-Syntax):
@prefix skos: <http://www.w3.org/2004/02/skos/core#> .
@prefix dc: <http://purl.org/dc/elements/1.1/> .
@base <http://purl.org/NET/BK/> .
<> a skos:ConceptScheme ;
dc:title “Basisklassifikation”@de .
<01> a skos:Concept ;
skos:notation “01″ ;
skos:altLabel “Allgemeines”@de ;
skos:topConceptOf <> .
<01.00> a skos:Concept ;
skos:notation “01.00″ ;
skos:altLabel “Allgemeines”@de ;
skos:broader <01> .
<01.10> a skos:Concept ;
skos:notation “01.10″ ;
skos:altLabel “Bibliographie: Allgemeines”@de ;
skos:broader <01> .
Benjamin Blinten
02|Jul|2009 5Wir verwenden in unserer Bibliothek die DDC als Aufstellungssystematik und mithilfe von MelvilSearch von der DNB auch (gut versteckt) als Rechercheeinstieg im OPAC. Ich kann Herrn Prillinger nur beipflichten. MelvilSearch macht deutlich, dass schon jetzt sinnvoll hierarchisch per DDC recherchiert werden kann – einfach, indem nur die Benennungen der Klassen angezeigt werden. Warum ist es unbedingt notwendig, die DDC-Notationen zusätzlich anzuzeigen? Die Nutzer können mit ‘327.73′ sowieso nichts anfangen. Und bald entfällt dann ja auch noch diese Einschränkung – vermutlich nicht für die englische Sprachversion, aber wenigstens gibt es bei der DDC überhaupt eine englische Version!
Die BK erfüllt eine ganz andere Aufgabe als die DDC oder RVK, sie ist weniger zur detaillierten Erschließung als zur groben Einordnung gedacht und durch ihren geringen Umfang für große Bestände kaum geeignet. Die RVK hat ihre eigenen Tücken, vor allem wird sie im Gegensatz zur DDC eher nebenberuflich und kooperativ gepflegt und aktualisiert. Außerdem gibt es bei der RVK sehr große Überschneidungen zwischen den einzelnen Fachsystematiken, aus denen sie besteht, es gibt für viele Themen also keine eindeutige Einordnung. Schließlich ist sie sehr stark auf Deutschland ausgerichtet, wogegen der anglo-amerikanische Bias der DDC in den letzten Jahren durch die internationalen Übersetzungsaktivitäten nachgelassen hat.
Horst Prillinger
03|Jul|2009 6Ich habe gar nichts suggeriert, sondern einfach eine Meinung wiedergegeben. In dem angesprochenen Tweet wurde weder Ihr Name noch dieser Artikel erwähnt. Ihr Artikel hat mich einfach an zahlreiche Diskussionen an unserer Bibliothek erinnert, in denen dieses Argument genannt wurde.
Wie Benjamin Blinten ganz richtig sagt: wenn man die Zahlen sowieso sinnlos findet, warum besteht man dann darauf, sie anzuzeigen? Das gilt im Übrigen auch für die RVK, denn ‘ML 5700′ ist gleich wenig aussagekräftig wie ‘327.73′, und wenn im Katalog ‘Auswärtige Beziehungen—USA,’ angezeigt wird, ist es inhaltlich und lizenzrechtlich völlig egal, welcher der beiden Zahlencodes im System gespeichert ist. Die World Digital Library http://www.wdl.org/ klassifiziert alle Einträge nach DDC und führt vor, wie es ohne eine einzige Nummer (und ohne besondere Lizenz der OCLC) funktionieren kann.
Oliver Flimm
03|Jul|2009 7Dennoch sehe ich weiterhin lizenzrechtliche Probleme bei der konkreten Realisierung.
Wie würde ich vorgehen, wenn die DDC vollkommen frei wäre? Da in den Instituten die DDC-Nummern und nicht die Bezeichnungen vergeben werden, würde ich zunächst (mindestens für die vergebenen Nummern) eine internationalisierte (=alle Sprachen, die ich bekommen könnte) Mapping-Tabelle DDC-NummerBeschreibung erstellen, so wie ich das z.B. auch schon bei der BK gemacht habe. Diese Datei als integraler Bestandteil der Software OpenBib würde natürlich frei zur Nachnutzung in das öffentliche CVS-Repository wandern. Bei der Indexierung der Titel würde ich dann zusätzlich zu den Nummern auch noch die Beschreibungen in den verschiedenen Sprache hinzunehmen bzw. als Synonyme in der Xapian-Suchmaschine hinterlegen. Bei der Anzeige könnte ich anhand des Mappings – anstelle beider Information – sicherlich auch auf die Beschreibung reduzieren. Hier stimme ich Ihnen ausdrücklich zu, dass eine Nennung der DDC-Nummer im Interesse der Nutzer nicht zwingend notwendig ist.. Schließlich würde ich einen DDC-Browser für unseren Bestand implementieren, so wie jetzt mit der BK und nur 2 Hierarchieebenen.
Zentral ist das Mapping. Schon das ND in CC-BY-NC-ND würde mich nach meinem Verständnis daran hindern, die Daten der DNB – wenn Sie denn mal entsprechend lizensiert und zugreifbar sind – in einem anderen Format bereitzustellen. Je nach Gusto und lokalen Gegebenheiten kommt z.B. JSON, XML, YAML usw. zum Einsatz. Ich weiss nicht, ob das erlaubt ist. Dahingegen ist die Möglichkeit internationalisierte Versionen bereitzustellen ziemlich klar geregelt…sie ist nicht erlaubt.
Anstelle also einen thematischen Einstieg in den Katalog konkret umzusetzen muss ich mich mit multilingualen und -nationalen Lizenzierungsgeschichten herumschlagen – was letztlich dazu führt, dass ich (auch im eigenen Interesse) lieber die Finger davon lasse… Zumal wenn schon die DNB wegen der Verwendung des M-Wortes eine Unterlassungserkärung zugestellt bekommt, wie im Protokoll zur 3. Sitzung der Expertengruppe Sacherschließung vom 11.12.2008 zu lesen ist.
Ich habe mir gestern Abend auch einmal den OPAC und das DDC-Browsing des John F. Kennedy Instituts der FU Berlin angeschaut. Das ist wirklich nett. Leider habe ich direkt beim ersten Aufruf einen Fehler bekommen, dass das “AJAX aus Frankfurt” nicht funktioniert – da gabs wohl ein Problem mit dem WebService der DNB (Screenshots kann ich nachreichen). Danach funktionierte es dann aber tadellos. Auch wenn ich Mashups toll finde, so bevorzuge ich doch eine lokale Verarbeitung der jeweiligen Daten (wenn man legal drankommt), da man dann typischerweise mehr herausholen kann, als über einen definierten WebService geliefert wird – allein eine Indexierung wäre sonst nicht möglich. Daher hat die freie Verbreitung des Systematik-Mappings für mich einen so hohen Stellenwert.
Die Frage, wie man selbst zu dieser Problematik steht und welche Punkte einem wichtig sind, ist sicherlich individuell unterschiedlich. Das mein Artikel kontovers gesehen werden kann war mir von vornherein klar. Michael hatte z.B. eine andere Gewichtung genannt. Die Punkte die er an erster und zweiter Stelle genannt hat sind wirklich sehr wichtig und ich stimme ihm auch hier ausdrücklich zu. Für mich ist die freie Nutzung und die freie Verbreitung halt nur noch einen wesentlichen Tick wichtiger… also eine Reihenfolge 1) Freiheit 2) Qualität 3) Verbreitung.
Robert Scheuerl
03|Jul|2009 8Eine fachliche Suche in einem OPAC über eine Systemtik ist eine wesentliche Erweiterung. Seit einiger Zeit gibt es die Möglichkeit in den SISIS-webOPAC Systematiken einzubinden. Wir haben daher begonnen, da wo es gewünscht wurde, dies umzusetzen. Wir arbeiten da meist mit der RVK, die in Bayern weit verbeitet ist, aber auch über Bayern hinaus. Als Beispiel kann man sich das mal im Regensbuger OPAC (https://ubbx6.bib-bvb.de/InfoGuideClient.ubrsis/start.do?Login=igubr) ansehen. Man kann unter “Fachliche Suche” in der RVK navigieren, aber auch in der Systematik mit Begriffen suchen. Die gewünschten Systemstellen können dann ausgewählt werden und in die Suchmaske übernommen werden. Im Zusammenhang mit dem Einsatz von Suchmaschinentechnik ist es uns auch gelungen, dass man mit übergordneten Systemstellen suchen kann.
Sinnvoll ist das natürlich nur, wenn möglichst der gesamte Bestand systematisiert ist. Wie die Lösung bei den Benutzern ankommt, kann ich leider nicht beurteilen. Ich habe da keine klaren Aussagen von den Bibliotheken.
Generell würde ich sowas aber nicht in Zusammenhang mit web2.0 oder katalog2.0 sehen. Es handelt sich halt um eine sinnvolle Erweiterung des OPAC.
till
03|Jul|2009 9Eine Mapping-Tabelle Notation -> Name ist allerdings keine triviale Angelegenheit. Man frage bei Bedarf Ul (bei Twitter @ulhumm) dazu…
Dieser Kram aus analogen Zeiten ist irgendwie nur schwer verdaulich für Datenverarbeitungsanlagen, ist leider so…
Elmar
07|Jul|2009 10In Bremen wurde im Jahr 2000 bereits eine Online-Version der aufstellungsbezogenen Systematik erstellt, die es bis dahin in diversen Word-Dateien kursietten. Mittlerweile umfasst diese Systematik ca. 66000 Klassen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir die hierarchische Abbildung der Systematiken implementiert. Der Nutzer konnte durch Anklicken der übergeordneten Klassen die jeweiligen zugeordneten Bücher anzeigen lassen.
Die Auswertung der Nutzerreaktionen zeigte jedoch, dass ein Großteil der Nutzer nicht hierarchisch dachte, sondern hauptsächlich die Experten, also die Bibliotheksmitarbeiter.
Aus diesem Grunde wurde auf die hierarchische Abbildung der Systematiken verzichtet.
Stattdessen behandeln wir die verbalisierte Form der Klassen, auch Klassenbeschreibung genannt, wie eigene Schlagwörter. Auch Synonyme und Homonyme, die Fachreferenten eigens in die Klassen eintragen können, werden indexiert. Auf diese Weise werden Suchanfragen mit Wörtern, die auch zugleich Klassenbeschreibungen sind, direkt mit Treffern aus dem Bestand beantwortet.
Ein Beispiel:
Die Suche nach “Steuerhinterziehung durch Kapitalflucht” (http://tinyurl.com/kpx8tf , in Bremen mit vwl 757.8 klassifiziert) liefert Treffer aus dem klassifizierten Bestand, deren Titelbeschreibung in keiner Weise mit der Suchanfrage im Kontext stehen, aber durch die inhaltliche Zuordnung durch Fachreferenten entstanden (u.a. Treffer nr. 6 + 7).
Dieses Prinzip wurde 2005 implementiert und erfährt eine hohe Akzeptanz nicht nur durch Nutzer, sondern auch durch Mitarbeiter.
Oliver Flimm
13|Jul|2009 11Vielen Dank für den Erfahrungsbericht und die Beispiele aus dem sehr fortschrittlichen Katalog aus Bremen. Der gefällt mir ausgesprochen gut.
Da wir unser BK-basiertes systematisches Browsen im KUG noch nicht so lange anbieten, haben wir hier noch keine verlässlichen Zahlen.Mit dem KUG im Hintergrund bieten wir jedoch für die Bestände der USB seit einigen Jahren unseren Systemtischen Katalog der Lehrbuchsammlungan. Zwar bleibt die Zahl der Anfragen hinter der generellen Nutzung des KUG deutlich zurück, in den letzten anderthalb Jahren wurde sie aber immerhin knapp 30000 mal genutzt. Für so ein Spartenprodukt ist das aus meiner Sicht akzeptabel.
Ähnliches planen wir auch mit unserem Lesesaalbestand, da der Aufwand für die technische Verwirklichung sehr übersichtlich war und auch wir Abschied von entsprechenden Datengräbern im Word-Format nehmen wollen.
Die Anreicherung der Suche mit Beschreibungen aus den jeweiligen Systematikstellen – wie Sie sie umsetzen ist ein sehr effizienter Weg dem vorherrschenden “Recherche-Typ” unter den Katalognutzern einen spürbaren Mehrwert zu liefern. Das lässt sich aber auch nur machen, wenn die verwendete Systematik entsprechend ausführlich wie bei Ihnen ist. In den nächsten Monaten werde ich mir auch nochmal die RVK als mögliche Alternative für unsere BK – auch in diesem Kontext – anschauen.
Kommentar schreiben
Blog durchsuchen
Kategorien
Archiv
Links
Kalendar
A design creation of Design Disease
© 2007 - OpenBibBlog - powered by WordPress
InSense 1.0 Theme by BloggingPro and 1000ff