Das Motto der kommenden Version 2.4 von OpenBib könnte lauten „weg von handoptimierten Sonderlösungen und hin zu weiter verbreiteten Frameworks und Web-Standards„. Das bringt viele Vorteile mit sich – sowohl beim Einstieg anderer in die Nutzung oder Erweiterung von OpenBib, wie auch für mich als Entwickler:

  • Das Rad muß nicht immer neu erfunden werden („building on the shoulder of giants“)
  • Die Anwendung wird wartbarer
  • Nach der Beschäftigung mit verbreiteten Frameworks lassen sich auch zukünftige Probleme an anderer Stelle einfacher lösen.
  • Wichtig ist für mich aber: So ein Framework sollte nicht zu abstrakt und die learning curve nicht zu steil sein, so dass man immer noch sehen kann, was dahinter denn eigentlich passiert. Gerade bei kontraproduktiver „Eigenintelligenz“ von Frameworks wird einem dadurch einiges an Unbill erspart.

Neben der bereits erwähnten Neuausrichtung im Bereich Web-Standards („Cool URI’s“, Semantic Web, REST) und -Frameworks (CGI::Application für die Web-Anwendung, DBIx::Class als ORM) kommt nun der nächste Schritt im Bereich (X)HTML/CSS.

Gerade beim Layout mit CSS macht es Sinn, sich nicht immer wieder mit den neuesten Problemen des IE (oder anderer Browser) auseinander setzen zu müssen, sondern die Browser-Unabhängigkeit des Layouts mit einem geeigneten Framework sicher zu stellen.

Für OpenBib fiel dabei die Wahl auf das mächtige und exzellent dokumentierte CSS-Framework YAML von Dirk Jesse, das schon vielfach erfolgreich eingesetzt wird – z.B. bei der DigiBib mit IPS.

Um dieses Framework im Rahmen der Version 2.4 erst einmal in einem überschaubaren Bereich auszutesten, wurde ‚Die Bibliothek Elise und Helene Richter‚ als Demonstrations-Portal komplett neu aufgesetzt. Denn dort wird nur eine kleine Teilmenge der insgesamt knapp 380 Basis-Templates von OpenBib verwendet, die durch die Vererbungseigenschaften von Templates  in verschiedenen Sichten (=Portalen) einfach für die Sicht „richter“ spezialisiert wurde – ohne die anderen bereits existierenden Nicht-YAML-Sichten zu stören.

Die in diesem Demo-Portal recherchierbaren Katalog-Daten wurden von der USB Köln im letzten Jahr als Open Bibliographic Data freigegeben und es zeigt gerade in diesem Bereich, wie quasi jeder aus offenen bibliographischen Daten eine Rechercheanwendung mit eigenen oder gemeinfreien Texten und Bildern im Netz realisieren kann.

Neben der Umstellung auf YAML werden mit diesem Portal weitere Besonderheiten der Version 2.4 demonstriert. Ganz wesentlich ist die Fähigkeit, dass einzelne Portalsichten in einer OpenBib-Installation fortan auch unter eigenen Host- und Domainnamen  im Web erscheinen können. Das mag selbstverständlich klingen, ist es aber nicht.

Bisher muss man sich bei OpenBib für einen Servernamen pro Installation entscheiden und andere Host/Domainnamen wie z.B. portrait.ub.uni-koeln.de können lediglich über den Weg eines umgebenden Frames umgesetzt werden, das dann für den Nutzer in der Location-Zeile des Browsers unbemerkt doch wieder den Servernamen wie kug1.ub.uni-koeln.de usw. aufruft.

Ab Version 2.4 können Sichten durch interne Konfiguration in OpenBib selbst, wie durch entsprechendes URL-Rewriting komplett als unabhängige Portale im Web in Erscheinung treten. Dieser Umstand wird perfekt durch das Portal www.richter-bibliothek.de mit der Sicht „richter“ demonstriert, das ebenso wie search.openbib.org in nur einer einzigen OpenBib-Installation bereitgestellt wird.

Konkret findet bei der Richter-Bibliothek eine URI-Verkürzung statt, bei der z.B. aus der generischen URI-Form

/portal/:sicht/home

der Sicht-Name via URL-Rewriting nach aussen in den Hostnamen gezogen wird und der Sicht-Name effektiv aus dem URI verschwindet. Aus dem Start-URL wird somit aus intern

/portal/richter/home

nach aussen

http://www.richter-bibliothek.de/portal/home

Die URI-Verkürzung muss natürlich in den Templates für alle aufrufenden URI-Pfade automatisch angepasst werden. So etwas wird einfach über die Web-Administration konfiguriert.

Ein Beispiel für die interne Konfiguration zeigt der nächste Screenshot:

Einher mit der eher technischen Umstellung auf das YAML-Framework gehen Experimente mit einfacher strukturierten Nutzerführung. Bewusst wurde daher ein simples 2-Spalten-Layout gewählt. Ziel ist eine visuelle Reduzierung und das lässt sich im Demo-Portal Richter-Bibliothek sehr gut austesten, um es dann auch in den großen umfassenden Sichten umzusetzen.

Wie die Version 2.4 ist auch das Demo-Portal „Richter-Bibliothek“ noch alpha. Sukzessive wird sich die Fehlerquote – z.B. durch noch nicht angepasster Templates- aber sicherlich verbessern…