Seit dem Jahr 2004 wird das OpenBib-Projekt bei BerliOS gehostet, einer von Fraunhofer FOKUS betriebenen Infrastruktur für Open Source Projekte (Source Code Hosting, Wiki, Mailinglisten, Trouble Ticket System etc. pp.).

Dazu gehört insbesondere das CVS-Reposistory, in dem alle Korrekturen und Erweiterungen von OpenBib nachgehalten wurden. Innerhalb der USB Köln dient dieses Repository gleichzeitig als Softwareverteilungswerkzeug zwischen den verschiedenen KUG-Produktionssystemen, auf denen OpenBib jeweils direkt in einem ausgecheckten Branch läuft.

Änderungen konnten so sehr einfach auf unserem Testsystem auf Herz und Nieren geprüft, dort danach eingecheckt und dann direkt auf allen Produktionssystemen ausgecheckt werden.

Leider erreichte mich – wie knapp 47.000 andere Nutzer  – am 30.9.2011 eine Mail von BerliOS, in der die Einstellung dieser Open Source Plattform bekannt gegeben wurde:

Sehr geehrte BerliOS Entwickler und Anwender,

BerliOS wurde vor 10 Jahren als eines der ersten Repositories in
Europa gegründet.  Es wurde von Fraunhofer FOKUS entwickelt und
gepflegt. Als ein europäisches, nicht proprietäres Projekt verfolgt
BerliOS das Ziel, die verschiedenen Open-Source-Akteure zu
unterstützen und eine neutrale Vermittlerfunktion zu bieten. 2011
wurden 4710 Projekte auf BerliOS gehosted, mit 50.000 registrierten
Nutzern und über 2,6 Millionen Dateien Downloads jeden Monat. Wir sind
stolz, dass wir mit BerliOS die Idee eines OSS-Repository nach Europa
gebracht haben. Mittlerweile hat sich das Konzept durchgesetzt und es
gibt zahlreiche gute Alternativen.

Leider hat ein Forschungsinstitut wie Fraunhofer FOKUS nur wenig
Möglichkeiten, langfristig ein Repository wie BerliOS zu
betreiben. Ein solches Projekt funktioniert nur, wenn es gelingt, eine
Anschlussfinanzierung zu finden, bzw. Sponsoren oder Partner zu
gewinnen, die das Repository übernehmen. Das ist im OSS-Bereich ein
schwieriges Unterfangen. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage
haben wir zwar Unterstützung an Geldmitteln und Arbeitsleistung
signalisiert bekommen, für die wir uns bedanken. Leider reicht das
Ergebnis aber nicht aus, um das Projekt auf eine nachhaltige
finanzielle Basis zu stellen. Auch die Suche nach Sponsoren oder
Partnern war leider erfolglos.

Open Source wird bei Fraunhofer FOKUS als Paradigma für
zukunftsweisenden intelligenten IT-Einsatz verstanden. Es schmerzt uns
deshalb um so mehr, dass wir gezwungen sind, den Betrieb von BerliOS
zum 31.12.2011 einzustellen.
[…]
Wir bedanken uns bei allen, die über die Jahre BerliOS genutzt haben.

Fraunhofer FOKUS
www.fokus.fraunhofer.de

Auch ich möchte mich an dieser Stelle bei Fraunhofer FOKUS ganz herzlich für die Bereitstellung der für OpenBib so wichtigen Entwickler-/ und Projekt-Infrastruktur bedanken.

Es schmerzt, daß eine so nützliche – sowie speziell in Deutschland einmalige – Infrastruktur für Open Source Projekte nun Geschichte ist, und das bei – wie in Heise News genannt – aus meiner Sicht vergleichsweise überschaubaren Kosten von knapp 150.000 EUR pro Jahr für den Betrieb dieser Plattform.

Also heißt es für das OpenBib-Projekt nun: Sachen zusammenpacken, eine neue Plattform suchen und umziehen.

Das größte Problem ist dabei, eine geeignete neue Plattform zu finden. Hierzu wurde in der FOKUS-Mail dankenswerterweise direkt auf eine Vergleichs-Matrix entsprechender Systeme in Wikipedia verlinkt.

Wie erwartet gehörte BerlioOS (sogar weltweit) zu den Systemen mit dem umfangreichsten Dienste-Spektrum. Eine Alternative zu finden mit folgenden Kern-Anforderungen war daher nicht einfach:

  • Unterstützung von CVS und die Möglichkeit später auf Subversion zu wechseln. Git/Bazaar/Mercurial lohnt sich aus meiner Sicht für dieses Projekt erst einmal nicht.
  • Eine entsprechende Größe (Umfang Projekte/Nutzer, Bindung an etablierte Projekte) der Plattform, die eventuell auf Nachhaltigkeit und eine potentiell längere Verweilzeit als bei BerliOS schließen lässt…
  • kostenlos

Die Mutter aller Hosting-Systeme – sourceforge.net – fiel sofort weg, da dort – ein Jahr nach der Einrichtung von OpenBib auf BerliOS – ein anderes Projekt gleichen Namens registriert wurde und der Projektname damit schlichtweg schon vergeben war.

Interessant waren ebenso: Alioth von Debian, GNU Savannah von der Free Software Foundation und Knowledge Forge von der Open Knowledge Foundation. Ohne die Bedingung der CVS Unterstützung wäre zusätzlich auch noch Google Code geeignet.

Nach und nach lichtete sich die Auswahl.

Savannah verlangt – ganz FSF – für die Begutachtung des jeweiligen Projektes die Lizenzdateien aller verwendeten Komponenten und Abhängigkeiten mitzuschicken. Die Arbeit, das alles zusammenzutragen, war einfach zu zeitraubend. Dafür greift OpenBib auf zu viele Open Source Komponenten zurück.

Knowledge Forge ist begrenzt auf Projekte im Umfeld von Open Knowledge und es wäre zu argumentieren, wie eng dies definiert ist bzw. wie OpenBib da hereinpasst. Darüber hinaus ist KForge eher klein in Bezug auf die Anzahl der Nutzer und Projekte.

Übrig blieb schließlich Alioth des Debian Projektes, bei dem ich am 1.10.2011 dann auch eine „Bewerbung“ für die Aufnahme des OpenBib-Projektes eingereicht habe. So eine Bewerbung war auch bei BerliOS für OpenBib notwendig und das OK für das Projekt kam damals direkt am nächsten Tag.

Projekte auf Alioth sollen laut FAQ einen Bezug zum Debian-System haben. Da OpenBib einen engen Bezug zum Debian-System hat – es basiert auf einem laufenden Debian System, es werden Debian Pakete für fehlende Module sowie für die für OpenBib notwendige Infrastruktur in einem eigenen Debian-Repository unter http://packages.openbib.org/debian/ bereitgestellt – schien eine Bewerbung dort naheliegend.

Bei Alioth habe ich nun insgesamt 10 Tage auf die Begutachtung gewartet – bisher ohne Ergebnis. Um nicht wie bei SourceForge.net mit dem Projektnamen OpenBib und der Policy „first come, first served“ über ein anderes Projekt gleichen Namens zu stolpern, wurde schließlich kurzerhand das CVS-Repository nach Subversion migriert und das Projekt bei Google Code registriert.

Eigentlich war diese Migration nach Subversion für einen späteren Zeitpunkt geplant, aber vor dem Hintergrund, dass vor allem schnell ein neues Code-Repository benötigt wurde, damit die Entwicklung weitergehen kann, musste auf die ursprüngliche Anforderung „CVS“ verzichtet werden.

Die notwendige Umwandlung des gesamten CVS-Repositories wurde nach der von Carlo Wood vorgeschlagenen „Vorbehandlung“ mit cvs2svn durchgeführt. Das so entstandene SVN-Dump-File wurde dann mit svnadmin load in ein lokales Repository eingeladen.

Die Einrichtung des Projektes bei Google Code geschieht instantan. Nach Anmeldung mit meinem Google-Account bei Googles Projekt Hosting Seite musste nur ein Formular mit Namen und Kurzbeschreibung eingegeben werden, abschicken, fertig. Ab sofort stehen dem Projekt knapp 4 GB an Speicherplatz zur Verfügung. Eine nachträgliche Erweiterungsmöglichkeit schließt Google ausdrücklich nicht aus.

Das lokale OpenBib-SVN-Repository musste nun nur noch nach Reset des Google-Archivs auf Revision 0 mit svnsync dorthin übertragen werden. Bei OpenBib mit seinen knapp 5500 Revisionen dauerte das knapp 24 Stunden. Grund ist sicherlich die geringe DSL-Übertragungsleistung zuhause sowie ein potentieller Zwangs-Disconnect meines lokalen ISP.

Wie stabil Google Code im laufenden Betrieb ist, wird sich zeigen. Der Einstieg war jedenfalls denkbar einfach. Und die neue Projektseite von OpenBib bei Google Code macht auch einen ganz guten Eindruck.