Seit der Beschäftigung mit diesem Thema vor knapp 2.5 Jahren und einer Integration in den Kölner UniversitätsGesamtkatalog KUG hat sich einiges getan.

Einen interessanten Überblick verschiedener Herangehensweisen und die exemplarische Erarbeitung einer eigenen fachlichen Facette für einen Bibliothekskatalog liefert die als CC-NC-ND veröffentlichte Bachelor-Arbeit  Konzeption einer fachlichen Facette für einen Bibliothekskatalog am Beispiel der Universitätsbibliothek Mannheim von Julian Frick.

Zitat des Abstact:

Eine in vielen Bibliothekskatalogen bislang nicht verwirklichte Recherchefunktion ist die gezielte Suche nach Literatur aus bestimmten Fachgebieten. Recherchen mit Notationen der im Katalog verwendeten Klassifikation oder mit Schlagwörtern können den Anspruch an eine fachgebietsumfassende Suche meist nicht erfüllen. Eine mögliche Lösung ist die Erstellung einer bibliotheksspezifischen fachlichen Facette, in der jeder Titel über seine sachlichen Erschließungsdaten einem oder mehreren Fächern zugeordnet wird.

In der vorliegenden Arbeit wird nach einem Überblick über bereits vorhandene fachliche Facettierungsmöglichkeiten in verschiedenen Bibliothekskatalogen eine fachliche Facette für den Bibliothekskatalog der Universitätsbibliothek Mannheim konzipiert. Hierbei werden im Besonderen die vorliegenden Sacherschließungsdaten sowie die fachlichen Schwerpunkte der Medienbestände der Universitätsbibliothek Mannheim berücksichtigt. Das Ziel ist die Definition und die Zusammenstellung von Fächern, die im Bibliothekskatalog in unterschiedlichen Varianten umgesetzt und verwendet werden können.

Als zentrale Merkmale für eine thematische Einordnung werden SWD, DNB und RVK herangezogen. Das zeigt sehr eindringlich, wie vorteilhaft es ist, wenn diese thematischen Merkmale im  entsprechenden Katalog vorhanden sind. Für fast alle Kataloge des KUG – gerade im Instituts- und Seminarbereich, und das sind mehr als 130 – bestehen z.B. keine solchen Merkmale. Daher sind wir damals den Weg über die Kataloganreicherung mit der Basisklassifikation aus dem USB-Katalog gegangen.

Durch die Öffnung der Bibliothekskataloge im Rahmen von Open Bibliographic Data ergeben sich nun aber viele neue Möglichkeiten für eine inhaltliche thematische Einordnung der Titel eines Katalogs. Lokal eventuell nicht vorhandene Merkmale können fortan durch Abgleich mit andernorts veröffentlichten Katalogdaten mit eben jenen Merkmalen angereichert werden.

Interessant ist dabei – neben den bereits mit dem hbz geöffneten Katalogen – insbesondere die Veröffentlichung des B3Kat von BVB und KOBV, der sich für solches Data-Mining nutzen lässt. Ebenso lohnen sich die offenen Daten aus dem SWB.

Denn die Datenqualität ist dort schon beachtlich. Das hat sich eindrucksvoll gezeigt, als ich test- und spielenderweise einen Schwung von knapp 1 Mio. MARC-Titeln der Universitätsbibliothek Tübingen in eine lokale out-of-the-box VuFind-Installation eingeladen habe. Die direkt in VuFind vorhandene Möglichkeit im Bestand nach Signatur-(=Fach)Gruppen, Sprache und Format zu stöbern – und das ohne Vorbehandlung der Daten bzw. Anpassung in VuFind selbst – ist auf Grundlage dieser Daten vorbildlich.

Nach wie vor hat die thematische Bündelung der Informationsressourcen einer Bibliothek (Katalogtitel, EZB, DBIS, Literaturlisten, etc.) einen hohen Nutzwert für die Recherchierenden. Die Bachelor-Arbeit macht jedenfalls Lust, sich mal wieder mit diesem Thema zu beschäftigen.

Update:

Und hier noch ein Link auf einen Artikel im gleichen Kontext:

Wiesenmüller, Heidrun ; Maylein, Leonhard ; Pfeffer, Magnus (2011) Mehr aus der Schlagwortnormdatei herausholen – Implementierung einer geographischen Facette in den Online-Katalogen der UB Heidelberg und der UB Mannheim B.I.T. online 14 (2011) Nr. 3, S. 245-252